Beginnen wir mit dem Satz, der in jeder Praxis täglich fällt: «Zahlt das meine Kasse?» Die korrekte Antwort ist ein Flussdiagramm, und in seiner Mitte sitzen zwei Organisationen, die kaum ein Patient je bewusst wahrgenommen hat: das EMR, das Erfahrungsmedizinische Register, und die ASCA, die Schweizerische Stiftung für Komplementärmedizin.
Die Mechanik: Die Grundversicherung zahlt komplementärmedizinische Leistungen nur bei Ärzten mit entsprechendem Fähigkeitsausweis. Alles andere läuft über Zusatzversicherungen, und die zahlen nicht einfach jedem, der Nadeln besitzt. Sie verlangen, dass der Behandler bei einem anerkannten Qualitätslabel registriert ist. EMR und ASCA sind die zwei grossen, sie prüfen Ausbildungsstunden, Abschlüsse, jährliche Fortbildung, und vergeben dafür ihr Label, gegen Dossierprüfung und Jahresgebühr, versteht sich. Welche Kasse welches Label für welche Methode anerkennt, ist dann nochmal eine eigene Matrix: Kasse A akzeptiert EMR für Akupunktur, Kasse B will ASCA, Kasse C beides, Kasse D führt eine Eigenliste. Dieselbe Behandlung, derselbe Therapeut, vier verschiedene Antworten.
Für Praktiker heisst das doppelte Buchführung der Existenz: Viele registrieren sich sicherheitshalber bei beiden Labels, zahlen zwei Jahresgebühren, dokumentieren Fortbildung nach zwei Rastern und führen Methodenlisten nach, deren Nummerierung ein eigenes Studienfach wäre. Es ist der unsichtbare Admin-Sockel jeder Praxis, und wer neu gründet, unterschätzt ihn zuverlässig. Wer eine eigene Praxis plant: Die praktische Reihenfolge von Anerkennung bis Eröffnung steht in der Checkliste zur Praxiseröffnung auf tcm.ch.
Für Patienten die Übersetzung in drei Schritten, festhalten lohnt sich: Erstens, vor der ersten Behandlung die eigene Zusatzversicherung anrufen und konkret fragen, ob Methode X bei Therapeut Y mit dessen Registernummer gedeckt ist. Zweitens, die Registrierung des Behandlers erfragen, seriöse nennen EMR- oder ASCA-Nummer ohne Zögern, bei uns stehen sie im Impressum. Drittens, die Deckungsgrenzen kennen, viele Kassen zahlen siebzig bis neunzig Prozent bis zu einem Jahresmaximum, danach ist Eigenleistung.
Und die Systemfrage zum Schluss, weil sie hierher gehört: Man kann sich wundern, dass private Register mit Gebührenmodell de facto Marktzugangs-Behörden sind, ohne demokratische Kontrolle, mit eigener Preissetzung. Man kann aber auch nüchtern feststellen: Solange der Titel nicht schützt, was er verspricht, sind EMR und ASCA der funktionierendste Qualitätsfilter, den dieser Markt hat. Das Labyrinth nervt. Die Alternative, gar kein Filter, wäre schlimmer. Wir sagen es ungern. Aber wir sagen es.