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Seoul

Seollal 2027: Das Jahr des roten Schafs.

Am 7. Februar 2027 beginnt das neue Mondjahr. Nicht das chinesische. Das koreanische heisst Seollal, dauert drei Tage und macht dich offiziell ein Jahr älter. Eine Gebrauchsanweisung.

Von Die Redaktion · 5 Min. · · 아야

Zuerst die Begriffsklärung, an der sich jedes Jahr halb Instagram zerlegt: Es heisst Lunar New Year. Nicht Chinese New Year. Korea, Vietnam und andere Länder feiern das Mondneujahr als eigenes Fest mit eigenen Ritualen, eigenem Essen und eigener Bedeutung. In Korea heisst es Seollal, 설날, und wer es "chinesisches Neujahr" nennt, erntet in Seoul denselben Blick wie ein Tourist, der in Zürich mit Euro zahlen will. Freundlich. Aber korrigierend.

Das rote Schaf

2027 ist im koreanischen Sechzig-Jahre-Zyklus das Jahr Jeongmi, 정미: das Jahr des Feuer-Schafs. Und weil der Himmelsstamm Jeong mit der Farbe Rot verbunden ist, sagen Koreaner: das Jahr des roten Schafs. 붉은 양의 해.

Wir geben zu, dass uns das gefällt. Aus Gründen.

Das Schaf, 양, gilt als das sanfteste Tier des Zyklus. Es steht für Geduld, Aufrichtigkeit und Gemeinschaftssinn. Im Volksglauben sind Schafjahr-Geborene warmherzig und künstlerisch, aber deutlich zäher, als sie aussehen. Das Feuer-Element gibt dieser Sanftheit 2027 zusätzlich Glut: ruhig im Auftreten, hartnäckig in der Sache.

Sanft aussen, Feuer innen. Wir kennen da eine Behandlungsphilosophie, die genauso funktioniert.

Wie Seollal wirklich geht

Drei Tage, vom 6. bis 8. Februar 2027, steht Korea still. Die Rituale, die das Fest vom chinesischen Neujahr unterscheiden:

Charye, 차례: Am Morgen des Neujahrstags deckt die Familie eine rituelle Tafel für die Ahnen. Präzise Anordnung, festgelegte Speisen, stille Verbeugung. Es ist weniger Party als Andacht.

Sebae, 세배: Die Jüngeren verbeugen sich tief vor den Älteren und wünschen ein gesegnetes neues Jahr. Dafür gibt es Sebaetdon, Geldgeschenke. Und nein, nicht im roten Umschlag. Traditionell in Seidensäckchen. Das Rot-Gold-Ästhetik-Paket ist chinesisch, nicht koreanisch.

Tteokguk, 떡국: Die weisse Reiskuchensuppe ist der Kern des Fests. Wer sie isst, wird symbolisch ein Jahr älter. "Hast du deine Tteokguk gegessen?" heisst übersetzt: Bist du ein Jahr weiser geworden? Die weissen Reisscheiben stehen für einen reinen Neuanfang. Weiss, nicht rot, ist die Farbe von Seollal.

Das andere Nationalgericht, mit Rezept: Kimchi →

Dazu Yutnori, das Brettspiel mit den geworfenen Holzstäben, Hanbok statt Festtagsanzug, und Autobahnen, auf denen halb Seoul gleichzeitig zur Familie in die Provinz fährt. Die Staus sind so legendär, dass sie eigene Verkehrsnachrichten-Formate haben.

Was das mit uns zu tun hat

Mehr, als man denkt. Seollal erzählt in drei Tagen, was koreanische Kultur ausmacht: Respekt vor Erfahrung, Rituale mit Präzision, Essen als Medizin des Alltags, und unter der sanften Oberfläche eine bemerkenswerte Konsequenz. Es ist dieselbe Kultur, die traditionelle Medizin in versicherte, digitalisierte Kliniken überführt hat, während andernorts noch diskutiert wird.

Ein rotes Jahr. Ein zähes, sanftes Tier. Wir nehmen das als Ansage.

새해 복 많이 받으세요. Frohes neues Jahr. Empfang viel Glück.

Die Redaktion

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